DAS NEUE NORMAL IM

Werbemarkt

Eine qualitative Berichterstattung in einer Tageszeitung finanziert sich durch zwei wesentliche Bausteine: Abonnements und Werbung. Zweiteres traf es im März mit dem Lockdown besonders hart. Wie das Team reagierte und was sich verän-dert hat, wollten wir von Jörg Schneider aus dem Werbemarkt und Philipp Münnich vom Produktmanagement wissen. „Es war wirklich krass. Über Nacht funktionierten die Geschäftsmodelle vieler unserer Kunden nicht mehr“, erinnert sich Jörg Schneider, der den Verkauf Kempten leitet: Wofür jetzt werben?

Diese Frage stellten sich viele. Geschäfte wurden geschlossen und Veranstaltungen reihenweise abgesagt, wie zum Beispiel die Allgäuer Lehrstellenbörse. „Als Medienpartner hatten wir alles gedruckt und für die Auslieferung vorbereitet. Wir waren startklar“, erzählt Philipp Münnich, der Medienprodukte entwickelt und vermarktet. Das Team konnte nur noch reagieren. „Wir haben in einer Hau-Ruck-Aktion Tip-On-Karten produziert und auf alle Werbemittel geklebt. Da half jeder mit“. Eine spontane Online-Kampagne rund um die Lehrstellenbörse wurde mit rta.design aus dem Boden gestemmt.

Jörg Schneider leitet seit 2019 im Werbemarkt den Lokalverkauf Kempten. Der gelernte Industriekaufmann ist mittlerweile 17 Jahre im Haus und hat sich auf crossmediale Vermarktungskonzepte spezialisiert. Er machte u. a. Station in der Marketingleitung, der Verlagsleitung, im Produktmanagement & Digital Sales Team der rta.design und zuletzt im Werbemarkt/ Produktmanagement.

Philipp Münnich machte seine Ausbildung hier im Haus in der Geschäftsstelle in Kaufbeuren und ist mittlerweile seit knapp drei Jahren im Produktmanagement Allgäu-Team in Kempten tätig. Der gebürtige Unterallgäuer macht zudem parallel noch seine Weiterbildung zum Medienfachwirt.

„Diese unübersichtliche Situation setzte bei uns ungeahnte Kreativität frei“, so Jörg Schneider. „Kollegen im Team, aber auch von anderen Abteilungen, kamen plötzlich mit Ideen auf uns zu, wie wir unsere Kunden unterstützen könnten. Dieser Teamgeist hat mich wirklich beeindruckt“. Für den Werbemarkt war schnell klar, dass der reine Verkauf von Werbeflächen so nicht mehr funktioniert. Alternative Ansätze mussten gefunden werden. „Während wir unsere Kunden bisher in ihren Marketing-Aktivitäten unterstützen, mussten wir nun radikal umdenken. Wie kommt das Produkt eigentlich zum Kunden oder der Kunde zum Produkt? Im Fokus stand nun aktive Beratung und maßgeschneiderte Vertriebsunterstützung“, fasst Jörg Schneider den Moment zusammen. Intensiv wurden die Möglichkeiten in der Mediengruppe geprüft: Lieferdienst-Optionen über allgäu mail, cross-mediale Synergien von online über RSA Radio bis hin zu Allgäu.TV. „Jeder im Haus war bereit, unsere Rolle als Partner in der Region mehr denn je auszufüllen“, erzählt Jörg Schneider.

Ein Ergebnis beispielsweise ist das neue Verbrauchermagazin „Kauf im Allgäu“ – eine Mischung aus Informationssendung und Shopping-Kanal, der über Allgäu.TV, all-in.de und deren Social-Media-Kanäle verbreitet wird. „Wir entwickelten in enger Abstimmung mit den Bedürfnissen unserer Kunden Service-Beilagen, diverse Mitmach-Aktionen und vieles mehr“, so Philipp Münnich. Und wir haben daraus gelernt. Mit dem Ziel, kreativ und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können, stellten sich Werbemarkt, Produktmanagement und PR-Redaktion neu auf. „Wir bündeln mit der Umstrukturierung unser Know-how im Bereich Themenentwicklung und schaffen damit interessante crossmediale Werbeumfelder, die für Unternehmen interessant sind. Gleichzeitig schaffen wir kreativen Freiraum im Team“, beschreibt Jörg Schneider das neue Normal im Werbemarkt der Allgäuer Zeitung.

TEXT & FOTOS Sebastian Kehr

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